"Mit Vertrauen leben wir leichtfüßiger. Wir werden gelassener, erleben mehr Heiterkeit, fühlen uns freier, sind erfolgreicher und nicht zuletzt mitfühlender."

Lass mich mit diesen Ausschnitten deine Neugier wecken:

 

Der Entschluss, Ausschnitte aus meiner Lebensgeschichte aufzuschreiben, wird bei manchem Stirnrunzeln hervorrufen. Mir ist bewusst, wie unbedeutend ausgerechnet mein Lebensweg zu bewerten sein mag im Vergleich mit unzähligen Schicksalen anderer, die weit tragischer dramatischer, und schrecklicherweise in einem zahlenmäßigen Ausmaß auftreten, dass es einem den Atem verschlagen kann. Ein Vergleich verbietet sich von selbst!

Allerdings erlebte ich die Entwicklung, die zu meinem Absturz führte samt ihren Folgen in einer Dramatik, die auch mir zeitweise den Atem raubte. Die Spanne meiner Empfindungen reichte dabei von quälenden Selbstvorwürfen über zerstörerische Verzweiflung bis zur jede Hoffnung erstickenden Angst angesichts meiner Verurteilung zu lebenslangem Versagertum, einem Urteil, das letztlich niemand anderer als ich selbst gefällt hatte.

Aber später, als mein Leben diese wundersame Wendung nahm, von der noch die Rede sein wird, passierte Atemberaubendes in positiver Hinsicht. Dazu gehörte als erstes ein Aufflackern verloren geglaubten Grundvertrauens, in dessen Fahrwasser eine Entwicklung folgte, die meine damals äusserst trüben Lebensaussichten in ganz neuem Licht erscheinen ließen: Die Befreiung aus jenem zerstörerischen Teufelskreis, der in Gang gesetzt war durch eine Verkettung verhängnisvoller Entscheidungen, die mir am Ende einen immensen Schuldenberg auflasteten. Dieses Entkommen aus dem Teufelskreis eröffnete mir letztlich eine völlig neue Lebensqualität, die die meines Daseins vor der dramatischen Entwicklung deutlich überstieg. Mit anderen Worten, ich sah mich nach und nach zu einem mit Händen greifbaren Geführt-Werden gelenkt. Dass dieses Geführt-Sein bis heute anhält und sich stetig tiefer in mir verankert, beschert mir eine Leichtigkeit, die mich Tag für Tag mit Erfüllung und zufriedener Gelassenheit beschenkt. 

 

1989 fragte mich ein langjähriger Freund und Studienkollege, ob ich mit ihm zusammen ein Unternehmen gründen wolle, er habe eine vielversprechende Geschäftsidee und auch schon entsprechende Kontakte.

Gemessen an verschiedenen unklaren Voraussetzungen sprach nicht gerade viel für eine Unternehmensgründung gleich in Form einer GmbH. Aber ich brachte viel Schwung und Optimismus aus meiner vorangegangenen erfolgreichen beruflichen Laufbahn mit, vertraute allerdings meinem Geschäftspartner, wie ich heute weiß, leider viel zu blindlings. Schon bald entpuppte sich das ganze Vorhaben als abgründiges Fiasko. Wir fielen auf Leute herein, die Lügner waren und Täuscher. Unsere Entscheidungen offenbarten nach und nach kaum zu beherrschende Risiken. Nach noch nicht einmal drei Jahren war unsere Firma vermögenslos und wir beide finanziell am Ende. Mein privates Vermögen löste sich mit rasender Geschwindigkeit in Nichts auf. Mehr noch, es verkehrte sich ins Gegenteil. Ein massiver Schuldenberg türmte sich auf.

Als ich die Ausweglosigkeit erkannte, war es bereits zu spät.  In Panik und unter großem Druck suchte ich rettende Jobs. Wie aber sollte das funktionieren. Psychisch schwer angeschlagen, unter Schock und tief enttäuscht und deprimiert und kraft- und mutlos, wie könnte so ein Neuanfang gelingen? Und, als wäre es nicht schon Tragödie genug, ging in dieser Zeit auch noch eine Liebesbeziehung in die Brüche, die mir sehr viel bedeutete. Nun lag alles in Scherben, wovon ich geträumt, worauf ich gehofft und gebaut hatte. Die Katastrophe nahm unvermeidlich ihren Lauf. Bald überwies die Bank meine Miete nicht mehr.

Die Folgen waren niederschmetternd. Ich geriet in einen abgrundtiefen Strudel, der nicht nur meine finanzielle und berufliche Existenz zerstörte, sondern beinahe auch meine physische. Meine seelische Balance war außer Kontrolle geraten. Verzweiflung fing an mich aufzufressen. Mein Lebensmut hing am seidenen Faden. Mein Leben geriet in einen gefährlichen Strudel von Hoffnungslosigkeit. Dieser Sog drohte mich zu verschlingen. Zurückerinnert aus heutigem Abstand kommt es mir vor, als hätte ich es mit einer Macht zu tun gehabt, der ich verloren ausgeliefert schien wie ein welkes Blattes im Sog eines Tornados. Über eine schrecklich lange Zeit nahm ich alles um mich herum und in mir drin wie abgedunkelt wahr. Zu der Zeit war ich nicht mehr in der Lage, mir vorzustellen, jemals wieder Licht am Ende des Tunnels zu finden. Mein Leben entwickelte sich unaufhaltsam zum Horrortrip.

Ich weiß, es gibt viele Menschen, die selbst erfahren haben oder gerade erfahren, was es heißt, in eine Finsternis zu stürzen, einen dieser lähmenden Zustände ertragen zu müssen, in denen man bezweifelt, dies allein schon rein körperlich durchstehen zu können. Man sich ernstlich fragt, wie es der Körper bloß anstellt, so viel Flüssigkeit zu produzieren für die jahrelang geweinten Tränen und den Angstschweiß Nacht für Nacht. Diesen Schock zu verdauen verlangte mir alles ab und löste eine ganze Kette verschiedenster Herausforderungen aus, die für mich schmerzvoller und energieraubender nicht hätten sein können.

Wie ich diese brisanten Umstände ebenso wie ihre Folgen durchstand und aufarbeitete, werde ich im Folgenden ebenso wiedergeben wie die unglaubliche, ja fast schon geheimnisvvolle Wandlung hin zu einem neuen Leben, das mich heute mit so viel freudvoller Leichtigkeit beschenkt.

Ich plagte mich noch eine gefühlte Ewigkeit in der Lichtlosigkeit herum, doch dann geschah etwas, das mich tatsächlich an Wunder glauben ließ: Meine kompletten Schulden konnten 2001 aufgelöst werden. Wie, darauf werde ich später detailliert eingehen.

Den dunklen Tunnel hinter mir zu wissen – Perspektiven der Befreiung und Erlösung, die für mich nach nicht enden wollenden langen dunklen Jahren wie in einer unerreichbaren Traumwelt verborgen schienen, wurde Wirklichkeit. Natürlich war die Erleichterung erst einmal gewaltig. Ganze Berge von Lasten fielen von meinen Schultern. Ich fühlte mich wie der Sintflut entkommen. Doch Freudengesänge, Bocksprünge vor Begeisterung oder ausgelassenes Feiern gab es nicht. Mir war nicht nach Champagner.

Ersparnisse hatte ich keine mehr. Null, nichts. Ich lebte nur noch von Tag zu Tag. Erneut gab es Zeiten, in denen nicht genug Geld übrig blieb. Wieder fühlte ich mich in einem Zustand des Ausgeliefert-Seins. Hinnehmen zu müssen, dass der Kampf noch nicht überstanden ist,  machte mich manchmal fast wahnsinnig.

Druck und Angst, Trauer und bittere Enttäuschung mischten sich mit – ja mit was? – es gibt in uns so etwas wie einen unversiegbaren Fluss an Zuversicht. Der kann kraftvoll sein! Bei mir damals war er das. Ich nahm ihn wahr als einen Zustand stiller und gleichzeitig aktivierender Energie, wie flüchtige hauchdünne Gedankenfäden. Aus heutiger Sicht verleihe ich dieser zarten inneren Beziehung allergrößte Bedeutung, gleich einem Wink aus dem Jenseits. Mich rüttelte er auf, appellierte an mich: Kämpfe!

Langsam aber unwiderstehlich wuchs die Haltung in mir: Ich konnte und wollte mich nicht damit abfinden, dass es ewig so weitergehen soll. Dieser mysteriösen Akt, anders kann ich das nicht bezeichnen, wirkte wie ein Innerer Führer. ER/ES war der Auslöser einer Neuausrichtung meines kompletten künftigen Lebens, an deren Anfang der Entschluss stand, meine Achtsamkeit mir selbst gegenüber als  Dauerprogramm zu verankern:

Ich erklärte mich ab sofort bereit zum schonungslosen Vor-Mich-Selbst-Hintreten, zur Selbsterforschung.

Es sollte nicht bei einem Sekundenappell bleiben, Es ging um zu viel. Es ging um mein ganzes Leben. Aber ich war angeschlagen wie ein Boxer nach einem harten Haken. Woher also sollte die Kraft, das Durchhaltevermögen für ein so anspruchsvolles Programm kommen?

Da gab es eine Begegnung. Schon zu Beginn meiner Misere. Ich habe keinen Schimmer, wie sie das anstellte, und gluckerte lange höchstens  als neblige Ahnung in mir herum: Seit ich ihr 1994 zum ersten mal begegnete, nahm sie eine immer zentralere Rolle ein in meinem Leben.

Mir warf sie den Rettungsring zu, der mein seelisches Ertrinken verhinderte. Sie bot meinen Depressionen und den zerstörerischen Zweifeln die Stirn.

Mir blieb nichts anderes übrig, als anzunehmen, dass die dramatische Wende in meinem Leben irgendwie mit ihrem bedingungslosen und weisheitsvollen Mitfühlen zusammenhängt, das mich seit meiner Begegnung mit ihr begleitet . . .

 

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